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Unsere Kinder sind in einer naturnahen Umgebung aufgewachsen. Draußen zu spielen war für sie immer die Normalität. So war es auch folgerichtig, dass sie sich frühzeitig den Pfadfindern anschlossen, im Wald an der Blockhütte waren oder haiken gingen. Die Natur um sie herum war für sie einfach da, und nichts durfte dieses Bild stören. Die Bedrohung dieser für sie so lebenswichtigen Umgebung wurde nur selten angesprochen.

Als sie 10 Jahre alt waren, kam der Film „Eine unbequeme Wahrheit“ von Al Gore auch in das Kino unserer Kleinstadt. Bisher waren Zeichentrick- und Kinderfilme das, was sie sehen wollten. Jetzt war plötzlich Al Gore der Favorit. Aber wie erklärt man einem 10-jährigen Kind, dass das, was es bisher kennen und lieben gelernt hatte, Natur, Tiere, Pflanzen, plötzlich bedroht ist – nur weil wir Menschen uns nicht in der Lage sehen, unsere Denkweisen neu zu strukturieren und anders zu sortieren?

Wir Erwachsenen machen zwei Fehler: zum einen denken wir, dass ein Gespräch über den Klimawandel mit Kindern für diese zu schwer zu verstehen ist, zum anderen glauben viele, dass sie ja doch nichts dagegen tun können.

Es zeigt sich aber, dass es viele Wege gibt, altersgerecht mit einem Kind darüber zu sprechen, was auf der Erde passiert. Der Schlüssel dafür liegt darin, die Grundlagen gelegt zu haben. Unsere Kinder sollen neugierig sein auf die Welt, in der sie einmal leben wollen, und wir Erwachsene müssen bereit sind, grundlegende wissenschaftliche Erkenntnisse mit ihnen zu diskutieren. Gespräche mit Kindern fokussieren uns auf die kritischen Denkweisen und auf neue Lösungen. Sie bringen uns dazu, Zusammenhänge und Auswirkungen unseres Handelns systemisch zu denken, um in allen Facetten zu betrachten, welche Folgen die eine oder andere Entscheidung für unsere Umwelt und unsere Zukunft hat.

Unsere Kinder zeigen uns, dass wir falsch denken: sie verstehen die Problematik und sie fordern vehement, dass wir jetzt etwas tun. Die Bewegung „Fridays for Future“ ist aus dieser Erkenntnis entstanden – und das zu Recht. Jetzt ist der Zeitpunkt, dass wir Erwachsene auf unsere Kinder hören und unser Denken systemisch strukturieren.

Danke an Greta Thunberg, die zur „Europäerin des Jahres“ gewählt wurde, und Danke an unsere Kinder, dass sie freitags auf die Straße gehen.

Hans Bruns, 15.05.2019